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Interview mit dem Domina-Bizarr-Führer Ausgabe 174 Juli/August 2011 

Zunächst einmal vielen Dank, dass Sie sich heute für ein Interview in unserem Magazin Zeit genommen haben. 

Frage: Vielleicht erzählen Sie unseren Lesern erst einmal ein wenig über sich, wie sind Sie in die SM Szene gekommen, und was war der entscheidende Schritt zur "Professionalität"? 

Antwort: Man kann es, glaube ich so sagen, dass man diese Neigung zum SM schon sehr früh in sich spürt, auch wenn man es zu diesem Zeitpunkt noch nicht benennen kann. So war es auch bei mir. Später interessierte ich mich dann intensiver für diesen Teil meiner Persönlichkeit und informierte mich gezielter darüber. Eine echte Neigung, die mit dem Herzen gefühlt wird, ist da und das Bestreben, sie auszuleben, wächst. Man sucht dann wohl förmlich nach Kreisen, in denen dies möglich ist. Ich hatte das Glück, im privaten Bereich meine ersten Schritte in die SM Welt zu setzen. Das hatte allerdings zur Folge, dass ich erkannte, dass es dort so Vieles zu entdecken gibt und wollte es dann auch erleben. So habe ich in Stuttgart in einem Studio angefangen, meine Leidenschaften professionell umzusetzen. 

Frage: Und was haben Sie in Ihrer Vergangenheit getan, bevor Sie Ihre Berufung zur Domina entdeckten? 

Antwort: Ich war viele Jahre in einem medizinischen Bereich tätig. Meine Arbeit mit Patienten und deren Bedürfnissen hat mich sehr erfüllt. Das Gespür für scheinbar Unwesentliches und das Hineinversetzen in mein Gegenüber hat sich dadurch geschärft und ist mir heute als Domina nicht nur nützlich, sondern es ermöglicht mir einen tiefen Zugang zu meinen Gästen. Aufgehört habe ich in meiner erlernten Tätigkeit, weil mir die Gesundheitsreformen immer mehr die Zeit an meinen Patienten gekürzt hat. Das war für mich unerträglich. 

Frage: Haben Sie einen Lebenspartner, Freund, Ehemann? Und wenn ja, was sagt der zu ihrer Affinität zum SM? 

Antwort: Ich trenne mein Privatleben strikt vom SM Bereich. Aber, ja es gibt einen festen Lebenspartner und wenn der nicht ausdrücklich mit meinem Leben als Domina einverstanden wäre, könnte ich nicht so befreit als Herrin tätig sein. Ein Doppelleben käme für mich nicht in Frage. 

Frage: Spielen sie zuhause auch die führende Rolle? 

Antwort: Warum sollte ich mich in Situationen, oder bei Aufgaben nach vorne drängen, wenn ich in diesem Moment keine Ahnung davon habe? Nein, ich kann auch sehr gut abgeben an andere Menschen. Mein Partner und ich sind seit vielen Jahren ein eingespieltes Team, in dem jeder seine Kompetenzen hat und wir gleichberechtigt sind. Die Dominanz, die zu meiner Persönlichkeit gehört und die ich ausstrahle, mit der gehe ich allerdings auch durch mein privates Leben. Ich brauche schon einen starken Partner an meiner Seite, der mit mir Schritt hält. 

Frage: Habe Sie für Ihre Zukunft, also die Zeit wenn Sie die Peitsche an den sprichwörtlichen Nagel gehängt haben, schon Pläne? 

Antwort: Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich habe immer in meinem Leben das gemacht, was ich für das Richtige und das Beste halte. Manches währt 20 Jahre, bis es sich verändert, manches nur einen Tag. Eine Planung, für einen Zeitraum in der Zukunft kann ich mit meiner Denkweise, immer nach mir und meinen Bedürfnissen zu schauen, nicht vereinbaren. Ich muss mich wohlfühlen, bei dem, was ich mache. Wenn nicht, ändere ich es. Sofort! Meine Gäste spüren heute meine Lust und Freude am SM, weil ich sie spüre. Ich kann mir heute nicht vorstellen, dass das mal anders sein könnte. "Laetitia" ist die Übersetzung von "pure Lebensfreude", dies beinhaltet, dass ich dies auch ausstrahle. Und so lange bin ich Domina. 

Frage: Was erregt Sie persönlich bei einer Session besonders? Haben Sie eine spezielle Leidenschaft? 

Antwort: Es sind immer wieder die Augen meines Gegenübers, die mich faszinieren. Sie sind es, die ich liebe, die meine Phantasie anregen, die das Spiel in Gang setzen. Manchmal habe ich nur kurze "Augen-Blicke", wenn ich meinem Gast diesen Sinn mit einer Augenbinde nehme. Und selbst die genügen mir schon. Etwas Besonderes ist der Moment, bevor ich sie verschließe. Des Weiteren liebe ich den Sog, den ich spüre, wenn mich das Geschehen mit meinem Gast davon reißt. Einzutauchen in diese ganz andere Welt, Leidenschaft zu fühlen und auszuleben. Das beantwortet auch gleich die nächste Frage. Ich trage sehr gerne Lederkleidung und besitze eine Reihe von Maßanfertigungen. Meinen Gast das Leder riechen zu lassen, zu spüren, wie behutsam und achtsam seine Hände darüber gleiten, nie den Respekt vor der Herrin verlierend, das genieße ich sehr. Von Kostümen, über bodenlange Röcke, mit ausgefallenem Schnitt für feinste Strumpferotik bis hin zu Breeches und Reitstiefeln besitze ich einiges an Lederkleidung. 

Frage: Wie weit gehen Sie in Ihren Behandlungsarten und was sind Ihre Tabus? 

Antwort: Ich lehne jede körperliche Verstümmelung ab, dazu gehören Cutting, Branding etc. . Jeder sollte sich zeitlebens für oder gegen SM entscheiden können, was mit Narben eher schwierig ist. Abgesehen davon üben diese Spiele auch keinen Reiz auf mich aus. Ich liebe eher den Einschnitt auf der Seele eines Menschen, den meine Art Herrin zu sein, hinterlässt. Tunnelspiele und Spiele mit einem mir völlig unbekannten Gast, die an der Türe beginnen sollen, ohne vorher miteinander gesprochen zu haben, mag ich auch nicht. Ich brauche diese Zeit vor der Session, um eine Stimmung aufzufangen, mein Gegenüber erahnen zu können, dann ist alles möglich, was mir Freude bereitet. Von Rollenspielen, über die genussvolle Benutzung eines Sklaven, bis zu harten Verhören kann sich ein Spiel dann ergeben. Ich liebe das Spiel mit Nähe und Distanz, mein hilfloses Gegenüber immer weiter zu treiben, jedoch ohne Intimkontakt. Vomit und Schokosauereien, sowie Babyerziehung biete ich nicht an. 

Frage: Gibt es noch Phantasien, die Sie noch nicht ausgelebt haben? 

Antwort: In meiner Leidenschaft, einen Gast zusammen mit einer Sklavin zu erziehen, gibt es noch einiges, was ich erleben möchte. Das liegt einfach daran, dass ich in den vielen Jahren meiner Tätigkeit als Domina vergleichsweise mehr Einzelsessions als Sessions, mit einer Sklavin zusammen hatte. Dies ist wieder ein ganz anderes Erlebnis, eine Pärchenerziehung zu gestalten. Zwei Menschen mit ihren Emotionen zu verbinden, bedeutet für mich schlichtweg doppelte Freude. So viel Devotion auf einmal in den Händen zu halten, ist schon ein großes Gut. 

Frage: Was war ihr bisher interessantestes SM-Erlebnis? 

Antwort: Es mag komisch klingen, aber jede Session für sich, auch jede Einzelne mit meinen langjährigen Gästen, ist immer wieder interessant und ein High-Light, für sich betrachtet. Wenn ich das schaffe, das bei meinem Gast erreicht zu haben, kann ich glücklich mit meiner Neigung eine Session beenden. Heraus sticht jedoch vielleicht eine Langzeitsession, die über mehrere Stunden ging und in der Aufgrund einer sprachlichen Barriere kein einziges Wort fiel. Unser Erstkontakt per E-Mail lief durch ein Übersetzungsprogramm, was nicht so einfach war. Was dann folgte, war eine sehr intensive, emotionsgeladene Atmosphäre mit einem hingebungsvollen Sklaven. Die Verständigung fand auf einer ganz anderen Ebene statt. Jemanden ohne Worte, über viele Stunden, in den Tiefen seiner Seele zu erreichen, das fand ich sehr berührend. 

Frage: Was können Sie während einer SM Session überhaupt nicht leiden? 

Antwort: Wenn Gäste sich nicht an Absprachen halten, oder in einer Session versuchen, mich zu Dingen zu drängen, die zu meinen Tabus gehören. Dies kommt aber nicht so häufig vor und wird von mir dann auch sehr schnell eingegrenzt. Ansonsten besitze ich eine gute Menschenkenntnis und nutze meine intensiven Vorgespräche mit meinen Gästen dazu, festzustellen, ob die Chemie stimmt. 

Frage: Was erwarten sie von Ihren Sklaven? 

Antwort: Ich erwarte das, was sie auch von mir bekommen: Achtung und Respekt vor meiner Person. Ebenso erwarte ich niveauvollen Umgang und den Wunsch, mich wirklich kennen lernen zu wollen, frei zu sein für meine Persönlichkeit und mich nicht als Erfüllungsgehilfin einer Abhakliste zu besuchen. 

Frage: Was sollte ein Gast auf jeden Fall mitbringen, wenn er Sie das erste Mal in ihrem Domizil für eine Session aufsucht? 

Antwort: Auf jeden Fall sollte er nicht in Hast und Eile zu mir kommen, sondern Zeit mitbringen. Wenn er dann noch offen dafür ist, meinen Stil an sich heranzulassen, braucht es nichts mehr für ein unvergessliches Erlebnis. Vor allem sollte er keine Scheu haben, seine Erwartungen zu artikulieren und sein Kopfkino zu beschreiben. 

Frage: Was empfinden Sie wenn der Sklave zu Ihren Füßen liegt und bereit ist, sich Ihnen vollkommen hinzugeben? 

Antwort: Ein unvergleichliches Glücksgefühl. Ich genieße zu sein, in diesem Moment. Meinen Sklaven meine Kraft und Stärke spüren zu lassen, die er braucht, um sich noch weiter fallen zu lassen. Ein absoluter Hochgenuss! 

Frage: Woher kommt Ihrer Meinung nach die Lust bei Männern, sich von einer Frau dominieren zu lassen? 

Antwort: Ich denke, bei Männern geht es darum, sich auch mal "ganz" fühlen zu können, die andere Seite auszuleben. Nicht immer die führende Rolle, das Beherrschen, das Organisieren anzustreben, sondern das Pendel in sich in die andere Richtung schwingen zu lassen. Wenn man dominiert wird, hilflos und ausgeliefert ist, werden ganz andere Energien frei, die den Menschen in Einklang mit sich bringen. Stärke zu zeigen, indem man die Macht abgibt, führt zu einer Glückseligkeit der anderen Art. Und außerdem: Was gibt es Schöneres, als sich von der Ausstrahlung einer schönen, dominanten Frau auch mal gefangen nehmen zu lassen? Wobei das sicher auch für Frauen gilt, die sich einer Frau unterwerfen können. 

Frage: Dürfen auch Paare oder einzelne Frauen zu Ihnen in das Studio kommen? 

Antwort: Sogar sehr gerne. Ich biete schon länger Erziehung zusammen mit meiner Sklavin an, da es für mich ein ganz besonderer Reiz ist, die Hingabe einer Frau zu spüren. Wenn mich ein Paar besucht, hat es so auch die Möglichkeit für Spiele, die es alleine nicht ausleben könnte. Mit mir als Dominanz ist eine Sklavenpärchenerziehung, in der beide mir unterworfen sind genauso möglich, wie mit einem der Partner als Dominanz neben mir, den anderen zu genießen, vorzuführen, zu benutzen. Hier sind so viele Varianten denkbar. Auch als einfühlsame Herrin, die den Anfänger behutsam an eine devote Person heranführt, fühle ich mich sehr wohl. Niveauvolle Phantasien sind mir immer sehr willkommen. 

Frage: Wie weit gehen Sie beim Thema Erotik in einer Session? Sind Sie berührbar oder bevorzugen Sie nur die Klassische Dominanz? 

Antwort: Wie schon gesagt, ist mit mir kein Intimkontakt möglich und ich springe auch nicht nackt vor meinen Gästen herum. Erotik bedeutet für mich, als klassische Dominanz, meinen Gast durch meine Person, mein Auftreten und meinen Stil zu fesseln, dass er sich nach mir verzehrt, hilflos ausgeliefert, mir gehörend. Mir gefällt es viel mehr nah, ganz nah zu sein und doch unerreichbar. Meinen Atem, meine Strümpfe zu spüren, meine Nähe und meine Stärke aufsaugen zu dürfen, um noch weiter mit mir zu gehen, im Schmerz und in der Leidenschaft. Als Latexliebhaberin gefällt es mir allerdings sehr, mein Gummiobjekt zu fühlen. In eine zweite Haut gehüllt, gehört für mich die Verehrung für dieses Material dazu. 

Frage: Weiß eigentlich dein privates Umfeld von deiner außergewöhnlichen Berufung und wenn ja, wie reagieren die Menschen? 

Antwort: Meine Freunde und meine Familie wissen sehr wohl, was ich mache. Einen Raum, wo ich mich so geben kann, wie ich bin und frei atmen kann, brauche ich auf jeden Fall. Die Reaktionen sind zwar unterschiedlich, aber die Toleranz meine Berufung zu akzeptieren ist da. Ich glaube, sonst könnte man wohl auch nicht mit mir befreundet sein. 

Frage: Ist bei Ihnen auch Langzeiterziehung möglich? 

Antwort: Langzeiterziehung macht mir sehr viel Freude, daher gibt es bei mir auch die Möglichkeit, als Käfigsklave vier, sechs oder acht Stunden zu verweilen. Spiele, die über Stunden gehen, bieten natürlich einen größeren Rahmen. Auch im Klinikbereich und gerade bei Latexsessions sind aufwändige Dinge dann genussvoll machbar. Ein Vakuumsack, oder eine anale Dehnung auf die Schnelle, macht niemanden glücklich. Zumal bei einem längerem Aufenthalt das Ausgeliefertsein über Stunden seinen besonderen Reiz hat. 

Frage: Mit was kann man Ihnen eine besondere Freude machen? 

Antwort: Mit Geschenken, die käuflich zu erwerben sind, wie Parfum etc., leider gar keine. Ich freue mich viel mehr darüber, wenn mein Gast dazu beiträgt, dass wir eine genussvolle, gelungene Session erleben können. Dazu gehören Hingabe im Spiel, Achtung und Respekt vor mir und Pünktlichkeit. Wenn ein Termin einmal nicht eingehalten werden kann, bin ich auch über eine Absage dankbar. Solche Dinge machen mir mehr Freude, als eine "geschenkte Legitimation". 

Frage: Eine etwas private Frage, Welche Hobbies haben Sie? (außer BDSM) 

Antwort: Ich zeichne sehr gerne mit Bleistift, überwiegend Aktzeichnungen. Momentan wage ich mich gerade an Portraits heran. Außerdem lese ich wahnsinnig gerne, verbringe viel freie Zeit in meinem Garten, oder renoviere in meinem Haus. 

Das Schlusswort gehört wie immer meiner Interviewpartnerin. Gibt es noch etwas, dass Sie den Lesern dieses Interviews gern mitteilen würden? 

Antwort: Ich bedanke mich für die Möglichkeit, mich den Menschen vorstellen zu können, die mich noch nicht kennen und würde mich freuen, wenn ich das Klischee der Herrin, was mich betrifft, ein wenig durchbrechen konnte. Den Menschen im Besonderen zu schätzen, bedeutet, ihn so besonders zu behandeln, wie er ist.